
Einladende Beratung verbindet traumasensibles Arbeiten mit einer diskriminierungsreduzierenden Arbeitsweise. Sie geht davon aus, dass Beratung dann besonders wirksam wird, wenn Menschen sich willkommen fühlen, Unterschiede nicht verstecken müssen und darauf vertrauen mit ihren Erfahrungen ernst genommen zu werden. Es geht darum, Beratungsräume bewusst so zu gestalten, dass sie als ausreichend sicher erfahren werden, um sich auf Veränderungen einlassen zu können.
Einladende Beratungsarbeit: traumainformiert, inklusiv, achtsam
Termine:
19.-21.06.27 online
20.-23.09.27 Präsenz (Tagungshaus bei Bonn)
12.-14.11.27 online
19.-20.02.28 online
Dozent:innen: Kursleitung Chris Paul und Jan Möllers, Gastreferent:innen NN.
Kosten: 2.100 € als Gesamtzahlung oder in Raten.
Einladende Beratung
Diese vierteilige Weiterbildung richtet sich an Menschen, die bereits beratend, therapeutisch oder pädagogisch tätig sind. Sie verbindet fachliches Wissen, Selbsterfahrung und Reflexion mit konkreten Methoden für die Praxis. Grundlage ist das Buch Dazugehören von Chris Paul. Fachlicher Input, intensiver Austausch, Selbstreflexion und die Erweiterung der Methodenkompetenz werden durch Lerngruppenarbeit und eine Projekterstellung ergänzt.
Beratung findet nie im luftleeren Raum statt. Menschen bringen ihre Lebensgeschichten mit – und damit Erfahrungen von Belastung, Trauma, Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Das gilt für die Beratenden ebenso wie für die, die Unterstützung suchen. Manche Verletzungen entstehen durch einzelne einschneidende Ereignisse, andere durch wiederholte Erfahrungen. Wenn das mit Diskriminierung und Abwertung verbunden ist, dann sind diese Erfahrungen nicht nur individuell, sondern stehen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Normen. Wer Menschen professionell begleitet, begegnet deshalb immer auch den Auswirkungen gesellschaftlicher Strukturen.
Teil 1, 19.-21.06.27 (online)
Einladende Räume schaffen
Im ersten Modul erkunden wir gemeinsam, wie Beratungs- und Gruppenräume aussehen, die Sicherheit und Beteiligung fördern – und was Menschen verunsichern oder ausschließen kann. Wir lernen zentrale Begriffe diskriminierungssensibler Praxis kennen und setzen uns mit gesellschaftlichen Machtstrukturen sowie ihren Auswirkungen auf Beratung und Begleitung auseinander.
Wir verstehen Diskriminierung als Schmerz, der Menschen durch andere Menschen zugefügt wird – durch offenes Handeln, aber auch durch Wegsehen, Kleinreden oder das Festhalten an scheinbar selbstverständlichen Normen. Diskriminierungssensibles Arbeiten beginnt mit der Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, um diesen Schmerz nicht (mehr) zuzufügen. Dazu gehört eine Auseinandersetzung mit eigenen Leiderfahrungen und ebenso mit vielleicht vorhandenen Vorteilen oder Privilegien. Wir arbeiten mit biografischen Erfahrungen der Teilnehmenden, denn beschämt und ausgegrenzt zu werden, ist eine menschliche Grunderfahrung, die sich unangenehm bis hin zu vernichtend anfühlen kann. Sich an eigenen Erfahrungen zu erinnern, ist ein wichtiger Moment, um diese Mechanismen Schritt für Schritt zu verlernen.
Wir lernen, was ein:e "Ally" ist und überprüfen die individuellen Angebote der Teilnehmenden auf Repräsentation, Niedrigschwelligkeit und den Anspruch an einen "safer, braver space".
Teil 2, 20.-23.09.27 Präsenz (Tagungshaus bei Bonn)
Einladende Räume gestalten
Im zweiten Modul verbinden wir die diskriminierungsreduzierende Haltung aus dem ersten Modul mit den Grundlagen traumasensibler Beratung. Wir erkunden, wie sich beide Perspektiven gegenseitig ergänzen. Dadurch gewinnen Konzepte der traumasensiblen Beratung und Begriffe wie Trigger, Retraumatisierung und Sekundärtraumatisierung zusätzliche Bedeutungen.
Die Teilnehmenden lernen die Pendelnde Gesprächsführung (Chris Paul) als ressourcenaktivierende Haltung und Methode für Gespräche über belastende, stressauslösende und potenziell traumatische Erfahrungen kennen. Ergänzt wird dies durch einfache körperorientierte Methoden der Selbst- und Fremdstabilisierung für die Arbeit im Einzel- und Gruppensetting.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit professioneller Selbstfürsorge, der Gestaltung von Nähe und Distanz sowie der Frage, wie sich eine einladende, trauma- und diskriminierungssensible Haltung konkret in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Teilnehmenden umsetzen lässt.
Teil 3, 12.-14.11.27 (online)
Einladende Räume erweitern
Im dritten Modul erweitern wir noch einmal unsere Perspektiven. Expert*innen mit unterschiedlichen fachlichen Ansätzen und biografischen Diskriminierungserfahrungen geben Einblicke in ihre Arbeitsfelder und Anliegen. Dabei verstehen wir verschiedene Diskriminierungsformen in ihrer historischen Entwicklung und aktuellen Relevanz (vorrangig im deutschsprachigen Raum) besser. Wir reflektieren, welche Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten sich daraus für eine einladende, trauma- und diskriminierungssensible Beratung und Begleitung ergeben.
Die Teilnehmenden vertiefen den Transfer in ihre eigenen Arbeitsfelder, entwickeln eigene kleine Projektideen und bereiten deren praktische Umsetzung vor.
Teil 4, 19.-20.02.28 (online)
Einladende Beratung verankern
Im vierten Modul stehen die Erfahrungen aus der eigenen Praxis im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden stellen ihre Projekte vor, reflektieren, was gelungen ist, wo Herausforderungen entstanden sind und welche Fragen offen geblieben sind. Fehlerfreundlich unterstützen wir uns gegenseitig dabei, die Erkenntnisse der Weiterbildung nachhaltig in den individuellen Settings zu verankern.
Zum Abschluss blicken wir auf den gemeinsamen Lernprozess zurück und überlegen, wie wir den fachlichen Austausch und die gegenseitige Unterstützung über die Weiterbildung hinaus fortführen können.
Leitungsteam:
Chris Paul ist Soziale Verhaltenswissenschaftlerin, Psychotherapeutin (HP), Fachautorin und Leiterin des Weiterbildungsinstituts TrauerInstitut Deutschland in Bonn. Seit über 25 Jahren entwickelt und unterrichtet sie Konzepte zur Trauerbegleitung (TrauerKaleidoskop) und zum Umgang mit Schuldfragen in Krisensituationen. Ihre Arbeit verbindet Trauma- und Diskriminierungssensibilität mit einem konsequent ressourcenorientierten Ansatz.
Jan Möllers ist Kulturanthropologe, Bestatter und Bildungsreferent bei memento Kultur:Trauer e.V. in Berlin. Er begleitet Menschen nach belastenden Verlusten, entwickelt Fortbildungen zu Trauer, Diskriminierung und Vielfalt und beschäftigt sich insbesondere mit queerfreundlicher, traumasensibler und prozessorientierter Beratung.
Uns verbindet die Überzeugung, dass professionelle Begleitung neben dem Blick auf die individuelle Belastungen und Ressourcen unbedingt auch ein Verständnis für den gesellschaftlichen Kontext von Krise und Entwicklung braucht. Gemeinsam bringen wir langjährige fachliche Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit belastenden und häufig stigmatisierten Lebens- und Trauererfahrungen ein. Auch wir haben biografische Erfahrungen mit Ausgrenzung und Abwertung aber auch mit Bevorzugung gemacht, beides fließt in unsere Reflexion und Haltung mit ein.
Aus- oder Weiterbildung für die unterstützende Arbeit mit Einzelnen, Paaren und/oder in Gruppensettings. Arbeitserfahrung und Reflexionsbereitschaft. Setzen Sie sich gern mit uns in Verbindung, wenn Sie Fragen haben: info@trauerinstitut.de











