Jahresthema

Jahresthema 2016: "Neugier"

 

Hier ist noch alles offen. Ich bin gespannt, interessiert und neugierig auf das neue Jahr!

(Chris Paul, 18.12.2015)

 

 

Gedankanstöße zum Jahresthema 2015 "Respekt"

 

Am 18.12. erreichte mich mit der Weihnachtspost des Zentrums für Folteropfer Köln dieser wunderbare Text von Claudia Peters.

Er fasst zusammen, wie es sich anfühlt, ein Leben in Respekt und Würde führen zu können. Diesen guten Wünschen möchte ich mich anschließen:

 

Mögest du jeden Tag mindestens einmal:

Deinen Namen hören und Worte, die dir guttun,

Hände spüren, die dich auch im Herzen berühren,

und einen Grund zum Lachen haben.

Mögest du jeden Tag mindestens einmal:

Etwas tun, was dich glücklcih macht,

eine Idee haben, wo du gebraucht wirst,

Spass haben und ganz du selbst sein!

Mögest du jeden Tag mindestens einmal:

Deinen Atem wirklich wahrnehmen,

Dein inneres Lächeln spüren,

einen Augenblick genießen und JA sagen.

(Claudia Peters)

 

Am 15.9.2015 schieb Chris Paul im September-Newsletter:

"Die Wildheit der ersten Herbsttage ist ein schöner Hinweis auf einen weiteren Aspekt des Respekts. Respekt als eine Haltung, die nicht starr ist, nichts mit Zwang und Verbissenheit zu tun hat. Respekt als eine Verneigung vor und ein Tanz mit allem Lebendigen. Auf einem Sommerfest in einer großen Flüchtlingsunterkunft in Köln habe ich das am Wochenende so erlebt. Respekt als geteilte Freude. Respekt statt Mitleid."

 

 

 

 

Am 9.6. schrieb Chris Paul im Juni-Newsletter:

Der Begriff „Respekt“ ist mir in den vergangenen Monaten so häufig begegnet, dass er schon fast zur Worthülse wurde. Deshalb mache ich heute auf einen Aspekt aufmerksam, den wir seltener bedenken: der Respekt für sich selbst. Wir können anderen nur respektvoll begegnen, wenn wir achtungsvoll und anerkennend mit uns selbst umgehen. Die eigene Würde, die eigenen Grenzen, die eigenen Bedürfnisse, das eigene Glück, sie sind wichtig, sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, Vorsicht und Unterstützung. Erst der Selbstrespekt ermöglicht uns, anderen mit echter Achtung zu begegnen. Immer wieder den Blick auch auf sich selbst zu richten und die „rechte Eigenliebe“ wiederzufinden, ist auch für mich eine wiederkehrende Aufgabe.

 

Darauf antwortete am 10.6. Jan Möllers von memento-Bestattungen aus Berlin:

Danke für den Newsletter. Für mich ist das Wort Respekt auch voll wichtig. Für mich bedeutet es auch etwas ähnliches wie Du beschreibst. Nämlich zwischen sich und anderen zu differenzieren und einander freundlich zu betrachten. Aber Danke für die Überlegungen, dieses Gefühl, es kann alles heissen – das kenne ich!

 

Am 27.01.2015 schrieb Chris Paul im Januarnewsletter:

Das Jahr hat verregnet und mit großen politischen Erschütterungen begonnen, die Anschläge in Paris, die Pegida-Bewegung in Deutschland, zeigen die politische Dimension des Jahresthemas „Respekt“ auf. Wem geben wir Zugang zu welchen Ressourcen? Wem gestehen wir das Recht auf Zeit, Geld, Anteilnahme und Unterstützung zu? Welche Bedingungen stellen wir dafür? Diese Fragen bestimmen im Hintergrund den Arbeitsalltag in der Beratung, auch wenn wir uns selten Gedanken darüber machen. Im Lauf der kommenden 12 Monate werde ich jeden Newsletter mit einem kleinen Input zu einer der vielen Facetten des „Respekts“ beginnen  und bin gespannt auf Ihre und Eure Gedanken dazu, die wir zeitnah zum Nachlesen auf die Homepage stellen werden.

 

Im Weihnachtsnewsletter 2014 schrieb Chris Paul:

Zum Jahresthema 2015 habe ich den Begriff „Respekt“ gewählt.

Als Leitfrage kann ein Zitat aus "Keine Angst vor fremden Tränen!" dienen, in dem der Haltung des "Helfenwollens" eine des respektvollen Unterstützens entgegengesetzt wird:

"Was würde meinem Gegenüber das Gefühl geben,

respektiert und geachtet zu werden?"

(Zitat aus C. Paul: Keine Angst vor fremden Tränen! Auch als Postkarte im TID-Shop erhältlich!)

Ich bin jetzt schon gespannt auf Ihre Beiträge!

 

 

Jahresthema 2014: Aushalten

im Newsletter Januar 2014 schrieb Chris Paul:

Liebe Interessierte und KollegInnen,

das Jahresthema 2014 „Aushalten“ hat mich ganz persönlich seit dem 1.Januar intensiv beschäftigt. Das Miterleben eines Unfalls im Ausland, das anschließende Mit-Warten auf Transportfähigkeit, auf korrekte Diagnosen und Behandlungen haben mir alles in Erinnerung gerufen, was ich bisher über das Aushalten von Unerträglichem gelernt habe. Aushalten als präsent -Dabei bleiben, als ein Nicht-Weglaufen, Nicht-Verdrängen. Und Aushalten, so habe ich es erlebt, heißt vor allem, die winzigen Spielräume auch in ohnmächtigen Situationen wahrzunehmen und zu gestalten.

im Newsletter März 2014 schrieb Chris Paul:

Liebe Interessierte,

in diesen ersten Tagen der Fastenzeit beginnen viele Menschen für 40 Tage freiwillig auf etwas zu verzichten, was sonst zu ihrem Alltag gehört.  Das „Durchhalten“ auf dieser selbst gewählten „Durststrecke“ ist einer der Aspekte des „Aushaltens“, mit dem ich mich in diesem Jahr immer wieder beschäftigen werde. Durchhalten ist das Ertragen einer entbehrungsreichen  oder belastenden Zeitstrecke in dem Wissen um ihre Endlichkeit. Das Wissen „es geht vorbei“ verleiht enormes Durchhaltevermögen. Trauernde Menschen haben diesen Zeithorizont oft nicht mehr, denn ihr Verlust wird nicht aufhören, er ist und bleibt Teil ihres Alltags. Wenn sie es schaffen, tiefen seelischen Schmerz und überwältigende Sehnsucht auszuhalten, dann nicht im festen Wissen um einen Zeitpunkt, an dem es besser sein wird; sie halten aus in Hoffnung oder in Trotz, aus Pflichtgefühl anderen gegenüber oder einfach, weil sie keine Alternative dazu sehen. Wir Begleitende können das immer wieder lernen von Trauernden und uns gleichzeitig unsere vergleichsweise luxuriöse Situation bewusst machen: wir tragen nur mit, aus eigenem Willen und auf Zeit.

im Newsletter Mai 2014 schrieb Chris Paul:

Liebe Interessierte,

„Aushalten“ ist das Thema, auf das ich in diesem Jahr immer wieder achte. Was halte ich eigentlich aus, wenn ich mit  seelischen Schmerzen, Kummer und Verzweiflung konfrontiert bin, mit Hoffnungslosigkeit und drängenden Fragen ohne schlüssige Antworten? Sind es die Menschen, mit denen ich arbeite? Ist mein „Aushalten“ ein Er-Tragen des Leids von anderen? In diesen Wochen bin ich mir sicher, dass mein schwerstes Aushalten das ist, das sich ganz allein auf mich selbst bezieht. Das Aus-Halten meiner begrenzten Möglichkeiten. Darin nicht zu zerfließen oder einfach aufzugeben, sondern eine stabile haltende Basis zu schaffen - sowohl für mich selbst als auch für die Menschen, denen ich begegne - das ist Aushalten, wie ich es meine.

im Newsletter August 2014 schrieb Chris Paul:

Liebe Interessierte,

mein geschätzter Kollege Jochen Jülicher schrieb als Antwort auf den letzten Newsletter zum Begriff „Aushalten“:  „Ehrlich gesagt, ich mag dieses Wort nicht, es wirkt so hoffnungslos, so opfer-lastig, so passiv. Lieber ist mir das Wort „ausharren“, darin hält man etwas aus, weil man, quasi aktiv, auf etwas Anderes wartet, von dessen Kommen man überzeugt ist.“ Mir gefällt das sehr gut – ich denke aber noch darüber nach, ob die „Quasi-Aktivität“ im Aushalten auf jeden Fall an die Überzeugung gebunden ist, dass etwas anderes kommen wird. Gern lese ich weitere Ideen dazu!

am 20.08.2014 schrieb Petra Dey:

Liebe Chris,
vielen Dank für den Impuls.
Ich empfinde genau umgekehrt wie Herr Jülicher.
 "Ausharren" empfinde ich als einen unbeweglichen Zustand, voller Geduld, abwartend, was kommt, ohne auf die Situation und auch nicht auf den Kontext einer bestimmten Lage - irgendwie Einfluss nehmen zu können und auch nicht zu wollen, sehr fokussiert, quasi einspitzig auf DEN Zustand. Absolut passiv, der Situation ausgeliefert-sein, von daher eher "opfer-lastig", ohne strategische Möglichkeiten. Für mich persönlich dennoch ein kraftvoller Zustand.

"Aushalten" empfinde ich vergleichsweise aktiver, ein  Zustand, der nicht einspitzig fokussiert ist, nicht passiv abwartend, erwartend, sondern breiter eine Situation plus Kontext erfasst und Möglichkeiten von Haltungen zulässt, eben aktiv mit Hilfe einer Haltung eine Lage auszuhalten.

Setzt man voraus, dass das Leben ja nie Stillstand ist, ich ev. die stete Bewegung nur nicht wahrnehme, gibt es einen wirklichen Stillstand/ Passivität nicht. So wie man nicht nicht kommunizieren kann...

Soweit meine Gedanken dazu, danke für den Raum!
Viele Grüße aus dem Norden
Petra

am 20.08.2014 schrieb Kerstin Fröschke:

Interessant, der Beitrag zu „aushalten“ und „ausharren“.

Bei mir ist es genau umgekehrt:

„Ausharren“ verbinde ich mit „verharren“ und  „erstarren“  oder – gerade aktuell, da sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs in diesem Jahr zum einhundertsten Mal jährt – mit einem Soldaten, der im Schützengraben stunden- oder tagelang passiv ausharren bzw. verharren muss. Begegnet ist mir der Begriff auch in Verbindung mit dem Zweiten Weltkrieg, bei dem sich Juden versteckt und ausgeharrt haben – bis zu ihrem Ende. Daher ist der Begriff „ausharren“ bei mir absolut negativ belegt – verbunden mit einer niederschmetternden Perspektivlosigkeit.

Im Wort „aushalten“ hingegen ist auch „halten“ enthalten - ein eher aktives und beschützendes Wort, also irgendwie auch positiv. Beim Zahnarzt werde ich gefragt, ob ich den Schmerz aushalte oder lieber betäubt werden möchte. Hier habe ich also sogar eine Wahlmöglichkeit. Auch in den Spaß-Shows im Fernsehen gibt es zur Belustigung der ZuschauerInnen  häufig Wettbewerbe darin, wer etwas länger aushält als der andere. Ob man das nun gut findet oder nicht sei dahingestellt. Jedenfalls beinhaltet der Begriff „aushalten“ dadurch für mich nicht diese Dramatik wie der Begriff „ausharren“. Er ist geläufiger, kommt eher in der Alltagssprache vor und dadurch empfinde ich diesen wohl auch nicht als so bedrohlich. Schließlich kann man auch mal etwas aushalten … dann ist es vorbei …. ist nur eine Frage der Zeit … man muss nur lange  genug durchhalten und nicht aufgeben.

Eine Situation auszuhalten klingt für mich stärker, als nur „ausgeharrt“ zu haben. Denn hier arbeite ich z.B. beim Zahnarzt aktiv gegen den Schmerz an. Wie lange halte ich diesen Zustand aus? Kann ich noch ein bisschen oder gebe ich das Signal für die Betäubung oder das Ende eines Wettbewerbs? Es liegt an mir, ob ich aufgebe, mir Hilfe hole oder andere Alternativen wähle.

Diese Alternativen verbinde ich überhaupt nicht mit dem Wort „ausharren“. Da kann ich nichts machen, außer abzuwarten – bin meinem Schicksal völlig hilflos ausgeliefert.

Ich fühle mich großartig, wenn ich eine Situation ausgehalten habe.

Wie fühle ich mich aber, wenn ich nur „ausgeharrt“ habe? Hat mich dann jemand gerettet oder wie? RetterInnen fühlen sich großartig, sie sind die HeldInnen. Gerettete nicht! Die sind die Opfer! Und „Opfer“ zu sein ist in der heutigen Zeit sogar zu einem Schimpfwort geworden.

Kurz gesagt: „Aushalten“ finde ich sehr, sehr treffen. Mir fällt kein besseres Wort ein!

Viele Grüße

Kerstin Fröschke

am 20.08.2014 schrieb Sigrid Schäfer:

Ich lese den Newsletter zwar immer, kann mich aber gerade nicht daran erinnern... hier meine Gedanken zu Aushalten und oder zu Ausharren...

ich nutze beide Begriffe nicht so gerne, ich nutze lieber "ich halte es"/ und lasse das "Aus" weg..... ich halte die Traurigkeit ich halte die Sehnsucht, ich halte den Schmerz, ich halte die Wut.etc..... das finde ich viel versönlicher und viel aktiver, auch wenn ich "nichts" tue und die verschiedenen Gefühle "nur" wahrnehme und beobachte - es gibt auch oft nichts zu tun, und das ist für mich auch dann Aktivität... wenn in meiner Beratung das Gegenüber von "ich muss es aushalten" spricht biete ich diese Variante des Begriffs Aushalten in Halten zu wandeln - dazu an... und so kann ich etwas tun auch wenn es im Außen nicht zur Handlung kommt... und ich kann aber auch überlegen wie ich in eine Handlung komme, ob dies gerade ansteht... wenn ich etwas halte, kann ich es vielleicht manchmal hinlegen, umdrehen, von allen Seiten betrachten, etc.pp...herzliche Grüße

Sigrid

am 22.08.2014 schrieb Dorette Wehrmann:

Liebe Interessierte,
zu aus-halten und aus -harren eine Erklärung aus dem etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache (Kluge 1999) ,
"halten"  hat die Bedeutung von "hüten, schützen", Wurzel: sich um etwas herumbewegen,S. 351,
"harren" die von "feststecken", "nicht mehr weiterkönnen" , S.357 
Mit freundlichen Grüßen
Dorette Wehrmann
 
Im Newsletter Oktober 2014 schrieb Chris Paul:
das Thema „Aushalten“ hat einige leidenschaftliche Fürsprecherinnen gefunden, die Beiträge finden Sie demnächst auf der Homepage. Auch mir sind noch einmal Facetten des Begriffes deutlicher geworden: Aushalten kann auch eine Form des Er-Duldens, des Duldens, des Hinnehmens und Zulassens sein. Wenn der Widerstand gegen das Erschreckende schwindet, dann wird es oft  leichter, sich in die bedrohliche Situation hineinzufinden. Das Aus-Halten, das Er-Tragen gelingt dann anders, weil keine Kräfte mehr verbraucht werden für nutzlose Gegenwehr. Was meinen Sie? Mich interessiert Ihre Meinung!
 

am 7.10.2014 schrieb Petra Hugo:

Liebe Chris,
eine kleine Rückmeldung zum "Aushalten"  - Aus-Halten - eine Teilnehmerin sagte mal, jemanden oder etwas halten, bis es aus ist.
Das gefällt mir sehr und besser als "ausharren".
So ist das mit den Worten, und immer interessant, ihnen mal auf den Grund zu gehen.
Liebe Grüße von Petra
 
am 29.11.2014 schrieb Inge Kölle:
Liebe Chris,
da hast du ein aufregendes Thema angeschnitten. Dieser Begriff "Aushalten" wird ja meist mit negativen Bildern verbunden: ich musste etwas aushalten; es war kaum noch auszuhalten; wie hältst du das aus? etc. Ganz anders besetzt ist dagegen der Begriff "durchhalten": da ist viel von Stärke, eigener Entschiedenheit und Handlungsfähigleit erhalten. Doch kann Stärke gerade das Dilemma derer sein, die etwas zu lange aushalten. Ich denke z.B. an Frauen, die lange in zerstörerischen Beziehungen bleiben, weil sie es immer und immer noch aushalten. Gerade hier aber wäre eine Gegenwehr nötig, um das Aushalten der ständigen Bedrohung zu beenden. Ich sehe auf der anderen Seite auch das Aushalten, wie du es unten beschreibst. Ich würde es eher "Ausharren" nennen. Sich die momentane Handlungsunfähigkeit eingestehen und die Veränderung abzuwarten, dadurch insofern wieder handlungsfähig zu sein, als ich "entscheidungsfähig" bin.
Ich bin neugierig auf die Gedanken, die andere dazu hatten und die dann auf der Website sein werden.
Alles Liebe
Inge