Dokumentation
Trauer ist Kultur
Vom 11.-13. April 2008 fand im Düsseldorfer Film Funk Fernseh Zentrum der evangelischen Kirche (FFFZ) die dritte bundesweite Fachakademie für Trauerbegleitung statt. Unter dem Titel „Trauer ist Kultur“ trafen sich rund 150 haupt- und ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter aus ganz Deutschland, um in Vorträgen, Workshops und Diskussionsforen das berufliche Trauerprofil zu schärfen und die Handlungsfähigkeit im Umgang mit Trauernden weiter auszubauen. Seit rund 20 Jahren gibt es Trauerbegleiter in Deutschland, ein guter Zeitpunkt, die eigene Arbeit zu reflektieren. Veranstalter der Fachakademie waren das TrauerInstitut Deutschland, das Hospiz am EVK, der Hospizverein Düsseldorf-Nord sowie das Düsseldorfer Bestattungshaus Frankenheim.Die ehrenamtlichen HospizmitarbeiterInnen, Bestatter, Seelsorger und Sozialarbeiter erwartete drei Tage lang ein umfassendes Programm rund um die Frage nach eigener und fremder Trauerkultur: Wie gehen Gläubige unterschiedlicher Konfessionen, wie gehen Atheisten mit Sterben und Trauer um? Welche Formen und Rituale prägen die Trauer von Christen, Juden, Buddhisten oder Moslems? Wie beeinflusst die moderne Gesellschaft unser Verhalten auf Tod und Trauer, wie verändern Medien oder das Internet mit seinen virtuellen Friedhöfen und Trauerseiten unsere Gewohnheiten?
Die Teilnehmer der Akademie arbeiten in Beratungsstellen, Hospizen, Krankenhäusern oder Bestattungsunternehmen. Ihre Aufgabe ist es, Menschen nach dem Tod ihrer Angehörigen oder Freunde zu unterstützen. „Trauerbegleiter sind meist deutschstämmig und christlich geprägt,“ erklärte die Initiatorin der Akademie, Chris Paul vom TrauerInstitut Deutschland. „Deshalb beschäftigen wir uns auf der Tagung vorrangig mit anderen kulturellen und religiösen Traditionen im Umgang mit Tod und Trauer. Kultursensible Trauerbegleitung wird in den kommenden Jahren für viele Menschen wichtig werden. Dafür brauchen wir MitarbeiterInnen, die Fremdsprachen beherrschen und die selbst einen Mirgrationshintergrund haben.“
So leitete Julian-Chaim Soussan, Rabbiner der Düsseldorfer Jüdischen Gemeinde einen Workshop, Sabri Hoffman aus Rheine erläuterte die Trauer in der muslimischen Community und Hamidiyä Ünal den Umgang mit Verlusten bei türkischen Migrantinnen. Pfarrerin Eva Güther, Seelsorgerin am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf (EVK) referierte gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen über die „Ausdrucksformen von Abschied und Trauer in der Tradition der christlichen Kirchen. Ihre Kollegin Ellen Scherrer gab Impulse zur Begleitung Trauernder ohne religiöse Bindung.
Großes Interesse bestand an der Veranstaltung „Die Wolken verlieren, den Himmel gewinnen“, die die langjährige Hospizbegleiterin Beate Dirkschnieder mit ihrer Schweizer Kollegin Marie-Luise Hörler am Samstag anbot. Dirkschnieder beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem tibetischen Buddhismus und stellte buddhistische Ansätze in der Trauer- und Sterbegleitung vor: „Aus buddhistischer Sicht ist der Tod nichts Außergewöhnliches, er ist ein Gesetz, dem wir nicht entweichen können. Verlust ist demnach keine Strafe und wer die Universalität des Todes annehmen kann, erfährt große Kraft und Trost.“
Mit „Trauer ohne Ende“ bei Flüchtlingen aus Bürgerkriegsgebieten beschäftigte sich der anrührende Vortrag von Eva Chiwaeze. Die Hospizkoordinatorin und Flüchtlingsbeauftragte regte die Knüpfung neuer Netzwerke an: „TrauerbegleiterInnen und Hospize sollten mit Flüchtlingsinitiativen und nicht-christlichen religiösen Gemeinschaften Kontakt aufnehmen. Trauerbegleitung für Flüchtlinge heißt zunächst das Überleben sichern.“ Sie schlug interkulturelle Trainings für TrauerbegleiterInnen vor.
Claus Frankenheim, der seit über 25 Jahren im familieneigenen Bestattungsunternehmen mit Trauerarbeit Erfahrungen gesammelt hat, berichtete in seinem Workshop „Abschiedsrituale zwischen Tod und Bestattung“ über Möglichkeiten, die Zeit zwischen Tod und Bestattung aktiv zu nutzen. „Tod und Trauerprozesse werden heute mehr denn je an uns Bestatter oder an Pfarrer abgegeben. Unsere Aufgabe ist es, den Tod mittels Abschiedsritualen begreifbar und erlebbar zu machen, um einen „gesunden“ Trauerprozess zu ermöglichen.“
Aus seiner langjährigen Arbeit mit trauernden Kindern und Erwachsenen zeigte und diskutierte der Hamburger Uwe Sanneck Rituale und Gestaltungsmöglichkeiten für den Abschied von verstorbenen Kindern.
Mit dem Einsatz verschiedener Methoden in der Trauerbegleitung beschäftigten sich die Workshops von Monika Winkelmann (Kreatives Schreiben), Agnes Laurs (Meditativer Tanz) und Klaus Dörre (Märchenerzählen).
Der Märchenerzähler gestaltet den ersten Abend der Fachakademie stimmungsvoll mit frei erzählten Märchen, Geschichten und begleitenden Klängen des Monochords.
Der zweite Abend wurde zur Filmnacht, in der die Komödie von Marcus H. Rosenmüller „Wer früher stirbt ist länger tot“ zum Lachen und zum Weinen brachte.
Angeregt und berührt verließen die 150 Teilnehmenden am Sonntagmittag die dritte Fachakademie für Trauerbegleitung.
Die Veranstalter überlegen schon, wo die nächste Veranstaltung stattfinden soll - vielleicht in Mannheim.
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