Grundgedanken

Trauerbegleitung ist eine spezialisierte Form der Beratung für Menschen mit aktuellen oder weiter zurückliegenden Verlusten. Sie kann in laufende Beratungs- oder Therapieprozessen eingebunden sein oder als separates Angebot wahrgenommen werden. Trauerprozesse sind die normale und gesunde Reaktion auf Verluste, doch bei ca. 5-10% aller Verluste wird die natürliche Fähigkeit zu trauern durch viel äußere Umstände behindert. Die daraus entstehende erschwerte, traumatische oder komplizierte Trauer profitiert von einer qualifizierten Trauerbegleitung. Diese Form von Beratung und Unterstützung wird im TrauerInstitut als RessourcenAktivierende Trauerbegleitung gelehrt und angeboten.

Trauerbegleitung braucht Intuition und Mitgefühl, aber auch Fachkenntnisse über Trauerprozesse. Grundlegend für die Fortbildungen des TrauerInstituts ist ein erweitertes Modell der Traueraufgaben nach William Worden. Dazu kommen Robert Neimeyers Ansatz, dass wir im Trauerprozess unsere Grundüberzeugungen neu formulieren, und die von Denis Klass begonnene und von Roland Kachler in Deutschland weiterentwickelte Idee der „fortgesetzten Bindungen“ zu den Verstorbenen.

Als wichtige Bausteine dieser RessourcenAktivierenden Arbeit habe ich das Pendelnde Gespräch für TrauerbegleiterInnen und die Konstruktive Schuldbearbeitung entwickelt. Im Pendelnden Gespräch mit Trauernden wird ähnlich wie in der Traumaberatung beständig zwischen leidbesetzten und stabilisierenden Inhalten gependelt. Die konstruktive Schuldbearbeitung versteht sich als Arbeitsweise, die Beschuldigungen im Verlusterleben differenziert wahrnimmt. Die schädigenden, strafenden Effekte können von den möglicherweise haltgebenden Aspekte getrennt und mit unterschiedlichen Angeboten bearbeitet werden. Beide Arbeitsansätze sind ressourcenstärkend sowohl für die Trauernden wie auch für die BegleiterInnen.

Chris Paul